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Chronik

Gründung und die ersten, schwierigen Jahre


Im Jahr 1924, genau am 1. November, trafen sich 26 schießbegeisterte Freunde
und gründeten die "Bürgerliche Schützengesellschaft Bergrheinfeld".
In der ersten Generalversammlung, die am gleichen Tag im Gasthaus "Weißes
Roß" abgehalten wurde, wählten die Anwesenden Adam Göb zu ihrem ersten
Vorsitzenden. Als Bürger einer damals noch sehr viel kleineren und sehr viel
landwirtschaftlich strukturierten Gemeinde gab man sich den Namen
"Bürgerliche Schützengesellschaft", was davon zeugt, dass man sich
als freie Bürger fühlte und mit dem Heimatdorf Bergrheinfeld identifizierte.

Bald schon erhielt das Schützenwesen beträchtlichen Aufschwung. Schon im Januar
1925 schaffte man zwei Zimmerstutzen an, zu deren Finanzierung jedes Mitglied 3
Reichsmark leihweise zur Verfügung stellen musste. Außerdem beschloss man im
Juni des gleichen Jahres im Garten des Vereinslokals einen Schießstand zu
bauen.

Fast gleichzeitig legten sich die Schützen auch Vereinsabzeichen zu und nahmen
die Einladung des Hirschfelder Schützenvereins zu dessen Schützenfest an.

Eine Woche nach Mariä Himmelfahrt im August 1925 wurde der erste Vogelschuss
der Vereinsgeschichte ausgerichtet, dessen Verlauf sorgfältig protokolliert
wurde. Den Korpus schoss schließlich Bürgermeister Adam Göb ab, er erhielt eine
silberne Medaille und wurde unter Musikbegleitung in einem festlichen Zug nach
Hause geleitet.

Am Jahrestag der Vereinfgründung musste mit einer Umlage der Mitglieder ein
Kassendefizit ausgeglichen werden, in der Folge wurde der Jahresbeitrag im
Januar 1926 von einer auf drei Mark (300%!) erhöht.

Wiederum im August beschloss man dann, Schützenhüte anzuschaffen. Zum zweiten
Vogelschuss (22.08.1926) lud man erstmals die auswärtigen Vereine von
Oberndorf, Geldersheim und Werneck ein. Mit diesem Vogelschuss wurde auch ein
Preisschießen auf Glück- und Ehrenscheibe ausgetragen.

Der Ablauf dieses zweiten Vogelschusses ist vor allem deshalb interessant, weil
er die Vorlage zu allen weiteren Veranstaltungen dieser Art bildete. Dies gilt,
mit kleinen Einschränkungen, bis zum heutigen Tag.

Mit den neu angeschafften Schützenhüten marschierten die Bergrheinfelder
Schützen vollständig (!) und mit Musikbegleitung zum Vogelkönig. Voran trug man
den Vogel und die für das Schießen gestiftete Ehrenscheibe. Nach einem kurzen
Imbiss und einem vorzüglichen Tropfen, so das Protokoll, formierte sich der Zug
und bewegte sich zurück zur Schießstätte. Nicht weniger als 54 Teilnehmer
stellten ihr Können unter Beweis.

Nachdem Karl Seuffert zum neuen Schützenkönig proklamiert und die
Preisverteilung erfolgt war, marschierten die Schützen zur Wohnung des neuen
Würdenträgers, nahmen einen Trunk Wein in Empfang und kehrten zum Vereinslokal
zurück. Nach einigen salbungsvollen Reden stand einem gemütlichen Abend im
Kreise der Angehörigen nichts mehr im Wege.

Die Vereinsaktivitäten entwickelten sich indes dynamisch, noch 1926 wurde ein
Herbstschießen durchgeführt und nachdem in der kurzen Zeit seit der
Vereinsgründung bereits einige Medaillen, Erinnerungstaler und Geldstücke
vorhanden waren, beschloss man 1927 eine Kette anzuschaffen. Im gleichen Jahr
wurde auch eine Kleinkaliberabteilung für "Jungschützen und Anfänger"
gegründet.

Der erste Schützenball der Orts- und Vereinsgeschichte wurde im Januar 1928 im
Saal des Vereinswirtes abgehalten.

Schon damals kam es aber auch zu Unstimmigkeiten im Vereinsleben. Nachdem
einige Beitrittswillige die geforderte 3/4-Mehrheit der Mitglieder nicht
erreicht hatten und die Versuche des Vorstands, diese hohe Schranke
herabzusetzen erfolglos blieb, traten am 11. August 1928 sowohl der 1.
Schützenmeister als auch der Schriftführer zurück.

Kopfzerbrechen bereitete auch ein Paragraph der Vereinssatzung, der Auswärtige
von der Mitgliedschaft ausschloss.

Als der Landarzt Dr. Urlage aus Grafenrheinfeld in den Verein aufgenommen
werden wollte, setzte man sich allerdings glatt und einstimmig über die Satzung
hinweg, denn mit dem "Onkel Doktor" wollte man sich´s halt nicht
verderben!

Im Januar 1929 öffnete sich der Verein aber ganz offiziell auch für auswärtige
Interessenten und ab 1934 konnten dann neue Mitglieder mit einfacher
Stimmenmehrheit in den Verein aufgenommen werden.

Eine besondere Überraschung brachte die Versammlung am 15.12.1928, hier
stiftete Hermann Hartmann dem Verein einen großen Schützenkrug, den er beim
Vereinsschießen gewonnen hatte.

Der Krug wurde jahrzehntelang als "Liesl" bei den Umzügen mitgeführt,
mittlerweile aber als wertvolle und kostbare Vereinsreliquie dauerhaft im
Schützenhaus ausgestellt.

Nach und nach legten sich die Mitglieder auch Schützenröcke zu. Das Tuch
besorgte der Verein und die Anfertigung nahm auf Bestellung ein Vereinsmitglied
vor.

Sportlich nahm man damals schon nicht mehr so an den aktiven Schießübungen
teil, wie es sich der Vorstand wohl gewünscht hätte. Dagegen bereitete es
keinerlei Schwierigkeiten, die Vereinmitglieder für die geselligen
Veranstaltungen zu begeistern. Die Würde des Vogelkönigs nahm schon in den
Anfangsjahren des Schützenwesens eher eine gesellschaftliche denn eine
sportliche Stellung ein, wie ein Aufruf von Schützenmeister Adam Göb aus dem
Jahr 1929 beweist. Er forderte Interessenten für die Königswürde auf, sich bei
ihm zu melden.

Diese Art Aufforderung kamen auch später noch häufig vor.

Zum ersten Ehrenmitglied der Vereinsgeschichte wurde 1930 Doktor Urlage
ernannt, der, so die Begründung, bisher alle Vereinsmitglieder unentgeldlich
behandelt hatte.

Aufgrund der wirtschaftlichen Lage verzichtete man 1931 auf die Durchführung
eines Schützenballes, der Verein stiftete aber trotzdem 40 Reichsmark zur
Renovierung der Bergrheinfelder Maria-Schmerz-Kirche.

War noch im Januar 1933 die Rede davon, das Kleinkabilbergewehr des Vereins
wegen Interessenlosigkeit der Mitglieder der Bergwacht zu Überlassen, zählte
man 4 Monate später stolze 20 Mitglieder in der Kleinkaliberabteilung.

Bei einer Versammlung im September 1933 stand auch das Thema
"Gleichschaltung" auf dem Programm. Die Bercher Schützen wählten den
bisherigen 1.Vorstand in der Versammlung zu ihrem Vereinsführer. Die
Vorstandsmitglieder ernannte dieser zu seinen Mitarbeitern. Das Amt des
Vereinsführers wurde dann sogar abgeschafft - die Aufgaben übernahm der
zusätzlich der 1. Schützenmeister.

Bedingt durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges ging der Schießbetrieb zurück, zu
Versammlungen kam es nur noch am 9. März 1940 und am 1. Mai 1943. Viele der
Bergrheinfelder Schützen kämpten als Soldaten an den verschiedensten Fronten
und die Daheimgebliebenen hatten ganz sicher andere Sorgen.



Die Auflösung und Wiedergründung

Als im April 1945 amerikanische Soldaten auch in Bergrheinfeld einmarschierten,
wurde der Ort zwar verteidigt, die Einwohner flüchteten aber größtenteils nach
Garstadt.

Nach dem Rückzug der wenigen deutschen Soldaten kehrten die Bewohner aber
zurück, um zum einen die Brände zu löschen und zum anderen ihre Habe in
Sicherheit zu bringen.

Die damals 15-jährige Rosa Neubert, Tochter des seit 1938 "amtierenden
Vogelkönigs, fand bei ihrer Rückkehr einen amerikanischen Soldaten vor, der
sich die Königskette umgehängt hatte und im Begriff war, mit diesem Souvenir
das weite zu suchen. Unerschrocken nahm das Mädchen dem Soldaten die Kette
wieder ab und brachte sie in Sicherheit. Zum Dank ernannten die Schützen Rosa
Neubert, später verheiratete Rudloff, zum Ehrenmitglied der Gesellschaft.

Als Folge des Zusammenbruchs wurden alle deutschen Vereine, besonders aber die
Schützenvereine, von der Militärregierung verboten. Ein Vereinsleben oder der
Schießbetrieb war somit nicht möglich, auch weil noch viele Männer in
Kriegsgefangenschaft waren. Die allermeisten Deutschen kämpften in ihrem, vom
Feind besetzten und mit Millionen Heimatvertriebenen überbevölkerten Land,
buchstäblich um die nackte Existenz.

Erst am 3. Mai 1952 konnte der letzte Schützenmeister Georg Hochrein alle
Schützenbrüder zu einer Generalversammlung zusammenrufen. 23 Schützen der alten
Garde sowie 15 neue Interessenten hoben darauf hin die "Bürgerliche
Schützengesellschaft" zum zweiten Mal aus der Taufe. Man beschloss, sich
als Verein eintragen zu lassen und revidierte die Satzung in etlichen Punkten.
Erste Überlegungen zur Wiederaufnahme des Schießbetriebes wurden angestellt,
ein Luftgewehr gekauft und zunächst im Saal der alten und neuen
Vereinsgaststätte geschlossen. Eine Sammlung unter den Mitgliedern ermöglichte
sogar die Anschaffung eines zweiten Luftgewehres. Im Garten des Schützenwirtes
baute man eine neue Schießanlage mit neuen Ständen und das Vereinsleben nahm
allmählich wieder Form an.

Nach dem ersten arbeitsreichen Jahr hielten die Schützen am 29. August 1954
erstmals wieder einen Vogelschuss ab. Nach 16 Jahren wechselte nun die
Königskette ihren Träger, von Kilian Neubert, der seit 1938 Schützenkönig war,
zu Josef Karg, dem neuen Würdenträger.

Unter Beachtung der überlieferten Gepflogenheiten liefen die Feierlichkeiten
ab, so dass alte und junge Schützen mit Recht auf die wiedererstandene
Schützentradition in Bergrheinfeld stolz sein konnten.

Mittlerweile zählte der Verein stolze 69 Mitglieder, daher beschloss man, die
Werbung neuer Mitglieder einzustellen, um zum einen den familiären Charakter
des Vereins zu erhalten, zum anderen aber auch somit dem Vogelkönig keine
Schwierigkeiten hinsichtlich der traditionellen Bewirtung aufzubürden.

Im Jahr 1955 wurde Adam Göb aufgrund seiner großen Verdienste um die
Gesellschaft zum Ehrenmitglied ernannt. Im darauffolgenden Jahr wurde dann
erstmals ein Junggeselle neuer Schützenkönig. Da dieser, es war Gerwin
Breitinger, seit 1995 ebenfalls Ehrenmitglied der Gesellschaft, keine
Schützenkönigin zur Bewirtung der Gäste hatte, behalf er sich mit
Verzehrgutscheinen, die beim Vereinswirt einzulösen waren.

Das 35-jährige Vereinsjubiläum im Jahr 1959 war mit der Fahnenweihe verbunden.

Auf dem Tuch ist der heilige Sebastian dargestellt, der ja nicht nur der Patron
der Schützen ist, sondern auch der für Bergrheinfeld "zuständige"
Ortsheilige. Diese Verknüpfung wird auch im aufgebrachten Spruch deutlich:
"Zum Ziel fest schauen - auf Gott vertrauen".

Die Fahnenbraut Wilma Karg (später Wilma Stark) wurde ebenfalls zum
Ehrenmitglied ernannt.

Die Patenschaft für die Fahne übernahm die Bürgerliche Schützengesellschaft
Poppenhausen, die Feierlichkeiten wurden durch die Ausrichtung des Gauschießens,
einen Festzug und den Festbetrieb umrahmt und von der Bevölkerung rege besucht.

Im Jahr 1998 musste die Fahne dann restauriert werden, da der jahrzehntelange
Gebrauch doch deutliche Spuren hinterlassen hatte. Hauptsächlich der
Seidenstoff zeigte Risse und Beschädigungen. Die Reparaturarbeiten wurden der
Firma Fahnen-Küchler in Neustadt/Aisch übertragen, die wirklich professionelle
Arbeit geleistet hat. Rechtzeitig zum Jubiläum erstrahlt die Fahne nun wieder
in alter, neuer Pracht, auch Dank der zahlreichen und großzügigen Spenden der
Vereinsmitglieder.

Da der Verein immer mehr Schützenfreunde gewann und deshalb die Abholung des
Schützenkönigs diesen vor erhebliche räumliche Probleme stellte, entschloss man
sich 1962, auf den Festplatz am Wad auszuweichen. Der erste Vogelschuss mit
Festbetrieb dort war dann derart gut besucht, dass den Veranstaltern um 22.30h
das Bier ausging.

In diese Zeit fallen auch die ersten sportlichen Erfolge der erst seit zwei
Jahren bestehenden Jungschützen-Mannschaft, die mit einem 3. Platz bei den
Bayerischen Meisterschaften und einem 9. Platz bei der Deutschen Meisterschaft
aufwarteten.

Im Jahr 1963 errang Hermann Hartmann als erstes Mitglied den Titel des
Silvesterkönigs, diese Veranstaltung wird nun mehr seit 36 Jahren durchgeführt.

Geradezu revolutionär mutet die Aufnahme der ersten weiblichen Schützen an,
Elfriede Horner und Christa Schindler wurden auf Antrag als ordentliche
Mitglieder in die Gesellschaft aufgenommen und beendeten somit die Zeit des
reinen Männervereins.

Am 16. August 1964 wurden alle noch lebenden Gründungsmitglieder zu
Ehrenmitgliedern ernannt, Ehrungen erhielten auch diejenigen, die nach dem
Krieg den Verein wieder hatten entstehen lassen. Gesellschaftlich wie auch
sportlich entwickelte sich der Verein sehr positiv und hielt sich ohne
Schwierigkeiten auf Bezirksebene. Einzelne Schützen machen auch nach wie vor
eine gute Figur bei den Bayerischen und Deutschen Meisterschaften.



Das neue Schützenhaus

Immer öfter wurden in früheren Jahren Überlegungen zum Bau einer vereinseigenen
Schießstätte angestellt. Bereits im März 1960 wurde dies angeregt, vom
damaligen Vorstand aber als nicht aktuell zurückgestellt.

Dann aber nahmen die Pläne zu einem Kleinkaliberstand konkrete Formen an. Das
Gelände and der Schnackenwerther Strasse wollte Schützenbruder Kaspar Rudloff
zur Verfügung stellen, die Gesellschaft erwarb es dann aber zum symbolischen
Preis von 250,- DM. Nun begann man intensiv mit der Planung des Schießhauses,
das 10 x 10 m groß sein sollte, bei einer Standlänge von 50 m. Die gesamte
Anlage war zunächst auf 10.000,- DM veranschlagt. Bald war man aber mit dieser
Minimallösung nicht mehr zufrieden und die Konzeption entwickelte sich schnell
vom einfachen Schießhaus zu einem komfortablem Vereinsheim.

Bei Fertigstellung des Baues waren ziemlich genau soviel harte DM verbaut, wie
ursprünglich veranschlagt und es wären wohl noch mehr geworden, wenn nicht
viele Schützenbrüder in großartiger Weise Hand angelegt hätten.

Ein Denkmal ganz besonderer Art setzte sich Wilhelm Reichert, Bruder des
doppelt beinamputierten und beim Schützenhausbau besonders aktiven Ludwig
Reichert, vielen noch in guter Erinnerung. Besagter Wilhelm pflegte nach
getaner Arbeit seine Brotzeit auf einer kleinen Erhöhung neben dem entstehenden
Schützenhaus einzunehmen. Dieser "Brotzeitberg", besser bekannt als
"Wilhelmshöhe" dient auch heute noch als Treffpunkt für gesellige
Beisammensein der Schützenfamilie, beispielsweise, wenn am 1. Mai die
Grillsaison eröffnet wird.

Als im Frühjahr 1968 die erste Einrichtung des Vereinsheimes, der Ausschank,
eröffnet wurde, wirkte sich dies, Dank der eifrigen Helfer, sofort positiv auf
die Vereinskasse aus. Die erste Mitgliederversammlung fand natürlich auch im
neuen Schützenhaus statt.

Die feierliche Einweihung der neuen Anlage erfolgte im Juli 1970 im Rahmen
eines Festkommers für die geladenen Gäste und tagsdrauf kam dann die
Bergrheinfelder Bevölkerung auf ihre Kosten. Der Schützenumzug durch den Ort,
an dem auch eine Abordnung aus Bielefeld teilnahm, und ein fröhlicher
Festbetrieb, demonstrierten wieder eindrucksvoll die Verbundenheit der Schützen
mit ihrer Heimatgemeinde.

Weitere Höhepunkte waren das 50-jährige Vereinsjubiläum im Jahr 1974, die erste
Regentschaft der Silvesterkönigin Anita Schlossmacher (1975), die Einführung
des Jugendkönigs, die Ausrichtung der Kirchweih 1983 sowie das
Weltrekordschießen vom 28. und 29.04.84, dessen Eintrag in das Guinessbuch der
Rekorde bis 1991 Bestand hatte.

Die Vergrößerung des Schützenhauses mit Saalanbau wurde 1985 in Verbindung mit
dem 50-jährigen Gründungsfest auf dem Schützengelände an der
Schnackenwertherstraße gebührend gefeiert.

Fortan wurde der Vogelschuss direkt im Schützenhaus durchgeführt, hier hatte
man für die Ausrichtung dieser Traditionsveranstaltung die besten
Voraussetzungen.

Mit der Proklamation der ersten Schützenkönigin im Jahr 1986, die Würde errang
damals Helga Mohr, fiel auch diese Männerdomäne der Frauenpower zum Opfer.

Bereits zum Jahresende 1987 laufen die Vorbereitungen für die im August 1988
auszurichtende Kirchweih an. Die Durchführung musste aufgrund einer schweren
Erkrankung von Schützenmeister Hermann Wegner ohne dessen bewährte Leitung über
die Bühne gehen.

Durch Kostenteilung zwischen Verein und Armbrustschützen konnte auch in dieser
Disziplin ein modernes Sportgerät angeschafft werden.

Die Jugendsatzung wurde im Jahr 1989 beim Amtsgericht Schweinfurt eingereicht
und genehmigt.

Auf eine Besonderheit sei an dieser Stelle hingewiesen: Das in Stein gehauene
"Berger Schützenwappen", das in die Wand am Eingang zum Schützenhaus
eingelassen wurde, stellt das Meisterstück von Steinmetz Lore Mauer dar. Sie
war von 1987-1988 Schützenhaus Wirtin und schenkte diese besonders schöne
Handarbeit dem Verein.

Im Gegenzug der Biervertragsverlängerung bis 31.07.1999 mit dem Brauhaus
Schweinfurt erhielt die Gaststätte eine neue, moderne Zapfanlage sowie eine
Thekenbeleuchtung und Gläserschenke.

Auch für die Freunde des Pistolenschießens wurde einiges getan. Im Jahr 1990
wurden die, wiederum in Eigenarbeit erstellten, Pistolenstände mit Duellanlage
fertiggestellt. Die Abnahme dieser Sportanlage durch das Landratsamt
Schweinfurt erfolgte im Jahr darauf ohne Beanstandungen.

Zur 1100-Jahr-Feier der Gemeinde präsentierte sich das gesamte Dorf als
Festplatz. Die Bürgerliche Schützengesellschaft stellte im Hof von Walter Rösch
alte Waffen und Uniformen aus.

Bedingt durch den Ausbau der BAB Bamberg-Schweinfurt musste der Verein 202m²
seines Geländes an die Autobahndirektion Nordbayern abgeben.

Die Weltpolitik macht auch vor vergleichsweise kleinen Vereinen nicht Halt. So
wurde wegen des Golfkrieges der Faschingsball 1991 abgesagt.

Mit der Anschaffung von "richtigem Geschirr" hielt der Umweltschutz
auch bei den Vereinen Einzug. Jeder Verein, also auch die BSG beteiligte sich
an den Anschaffungskosten des Gemeindegeschirr´s und kann dies nun kostenfrei
bei jeder Veranstaltung benutzen.

1991 richtete der Verein wieder einmal das Gaukönigsschießen aus, das von der
Gauvorstandschaft jedes Jahr neu an interessierte Schützenvereine vergeben
wird.

Eine ganz besondere Auszeichnung wurde dem Verein im Januar 1992 zuteil. Für
hervorragende Jugendarbeit erhielt speziell die Jugendabteilung das "Grüne
Band", einen mit 10 000,- DM dotierten Preis der Dresdner Bank. Im
darauffolgenden Jahr erhielt die BSG aus der Georg-Schäfer-Stiftung, ebenfalls
für ihre hervorragende Jugendarbeit, 2 000,- DM.

Auch schon Tradition besitzt der Besuch des Junioren-Nationalkaders, der
erstmals 1992 unter Leitung des Trainers Walter Schuhmann sein
Saison-Abschlusstraining auf der Bergrheinfelder Anlage abhielt.

Neben den Jugendlichen entwickelten aber auch die Altersklasse- und
Seniorenschützen ihre Aktivitäten. Die "Grufti´s", wie sie
respektvoll genannt werden, hoben den "Super-Cup" aus der Taufe, der
seit 1993 in schöner Regelmäßigkeit mit den Kleinkaliberdisziplinen
"Standart" und "Liegend" durchgeführt wird.

Die Überreichung der Urkunde für 25-jährigen Bierbezug durch Herrn Direktor
Freitag vom Schweinfurter Brauhaus zeugt wohl auch von der Verbundenheit des
Vereins zur fränkischen Tradition. Seit dem letzen Jahr besteht diese
Verbindung 30 Jahre und wird wohl auch weiter Bestand haben.

Die Generalversammlung im Februar 1994 musste einen neuen Schützenmeister
wählen, da sich aus Altersgründen und Gesundheitsgründen der langjährige 1.
Vorsitzende Hermann Wegner nicht mehr zur Wahl stellte. Als Nachfolger leitet
seit dem Peter Rippereger, vorher Sportleiter der Gesellschaft, die Geschicke
des Vereins.

Mit diesem Wechsel endete nach 33Jahren eine Ära, die ihresgleichen sucht. Als
Dank für die großartigen Verdienste um die Bürgerliche Schützengesellschaft
ernannte man Hermann Wegner zum Ehrenschützenmeister. Die Übergabe an seinen
Nachfolger vollzog sich in der Sitzung am 4. März 1994, die Hermann Wegner mit
den Worten kommentierte: Der Verein steht sportlich und finanziell gut da, möge
der neue Vorstand in diesem Sinne weiterarbeiten!

Bereits mit dem Ausbau der BAB Bamberg-Schweinfurt wurde dem Verein der
Anschluss an das erforderliche Kanalnetz in Aussicht gestellt, was ganz sicher
eine erhebliche Erleichterung dargestellt hätte. Diesen Plan musste man
endgültig zu den Akten legen, da der geplante Parkplatz an der Grenze des
Schützengeländes nicht gebaut wurde.

Dagegen musste ein neuer Gastank angeschaft werden, um den strengen Auflagen
des TÜV gerecht zu werden.

Im gleichen Jahr (1994) erfolgte einer Generalsanierung der Vereinsküche, auch
das eine Folge der immer neuen Auflagen des Landratsamts.

Ein Problem, das für immerwiederkehrenden Diskussionsstoff gesorgt hatte, wurde
im August 1996 in Angriff genommen. Wurde noch am 18. August auf der Terrasse
das obligatorische Helferfest für diejenigen Mitglieder ausgerichtet, die am
Schützenfest tatkräftig mitgeholfen hatten, so war am Tag darauf (19.08.1996)
von diesem Teil des Schützenhauses nichts mehr zu sehen. Die seit Jahren
bereits reparaturbedürftige Terrasse ist gerade in den Sommermonaten das
Schützenhaus an der Schnackenwertherstraße ein recht erholsamer Ort.

Da aber nach wie vor kein eigener Kanalanschluss besteht, erteilte das
Landratsamt Schweinfurt die Auflage, eine Kläranlage mit biologischer
Nachreinigung zu erstellen. Dieses Vorhaben ist in Planung und wird wieder
einmal die Mithilfe vieler fleißiger Schützenbrüder erfordern.

Im Frühjahr 1997 griffen einige Frauen ins Vereinsgeschehen ein und forcierten
die seit langen Jahren bestehende Vorstellung einer "gemeinsamen"
Tracht. Unter Beratung und Anleitung von Frau Helga Ständecke, der damaligen
Trachtenberaterin für den Bezirk Unterfranken, fertigten nun 25 Damen eine
erneuerte, fränkische Tracht, die bei allen Schützenumzügen und
Vereinsfeierlichkeiten mit Stolz getragen wird.

Dem wollten die Schützenbrüder nicht nachstehen und entschieden sich für die
Anschaffung von Westen in traditionellem Schützengrün. Das Tragen der Weste
bedeutet gerade im Sommer eine große Erleichterung für die Männer.

Höhepunkt dieser gemeinsamen Initiative wird die Teilnahme am Oktoberfest
Trachten- und Schützenumzug im September 1999 in München sein.

Die Anschaffung dieser Tracht kam gerade rechtzeitig zur Proklamation von Lilo
Müller im August 1997, Sie wurde die zweite Schützenkönigin in der
Vereinsgeschichte.

Auch ein besonderes Ereignis in der langen Schützentradition war die Übernahme
der Patenschaft für die neue Vereinsfahne der Grafenrheinfelder
Schützenfreunde.

Dies wurde mit einer feierlichen Hubertusmesse in der Grafenrheinfelder
Dorfkirche im Juli 1998 eingeleitet, ein Umzug durch den Ort zum Schützenhaus
schloss sich an und dokumentiert wohl auch, dass die beiden Ortschaften trotz
oft zitierter Feindseligkeiten auch freundschaftlich zusammen arbeiten können.

Eine Änderung Schützenfest-Tradition erfolgte im Jahr 1998, als man erstmals
seit 1970 den Vogelschuss wieder auf dem zentral gelegenen Festplatz Wad
ausrichtete.

Schon mehrmals war die Anregung dazu aus den Reihen der Mitglieder gekommen,
doch die Gegner setzten sich noch mit den Argumenten durch, dass dies mit sehr
viel Arbeit verbunden sei. Alles zu organisieren sei umständlich, bei
Regenwetter stehe kein Saal zur Verfügung usw.

In der Generalversammlung 1998 kam es dann darüber zur Abstimmung und siehe da,
die Mehrheit war dafür, wieder in den Ort und somit zu den Gästen zu gehen.
Dass die Entscheidung letztendlich richtig war, auch im Hinblick auf das
75-jährige Vereinsjubiläum, das von einem großen Festzug durch die gesamte
Ortschaft gekrönt werden soll, zeigt die positive Resonanz und der zahlreiche
Besuche der Einwohner von Bergrheinfeld und Umgebung.

Um das seit 15 Jahren (seit Oktober 1984) in einem zweijährigen Rhythmus
stattfindende Vereinspokalschießen attraktiver zu gestalten, schrieb man im
vergangenen Jahr erstmals den Titel eines "Bürgerkönigs" aus und
schaffte eigens dafür eine Kette an. Für die nächsten beiden Jahre darf sich
Ernst Ebert mit dieser Würde schmücken.

Was die sportlichen Erfolge angeht, waren die letzten vier Jahre äußerst
erfolgreich.

Mit Lars Möwe-Jarren errang zum erstenmal ein Nachwuchsschütze der Bürgerlichen
Schützengesellschaft vordere Plätze bei Europameisterschaften. Bereits im Jahr
1995 belegte die deutsche Junioren-Nationalmannschaft, in der auch Lars
mitschoss, bei der Europameisterschaft in Zürich den 3. Platz in der
Königsdisziplin Kleinkaliber 3 x 40 Schuss. Im Jahr darauf verlief auch die
Teilnahme an der EM in Sofia/Bulgarien für Lars und seine Mannschaftskollegen
erfolgreich. Sie errangen in der Disziplin KK liegend den 2. Platz, zudem
belegte Lars in der Einzelwertung noch Platz 3. Seit 1997 ist er nun Mitglied
in der Herren-Nationalmannschaft. Übertroffen wurden diese Placierungen im
vergangenen Jahr von Steffen Herdel, Mitglied des Junioren-Nationalkaders, der
bei der Europameisterschaft in Tallinn/Estland Platz 1 mit der Mannschaft und
den 3. Platz in der Einzelbewertung belegte. Damit hatte er einen Startplatz
bei den Weltmeisterschaften sicher, die einige Wochen später in Barcelona
stattfanden.

Steffen kam von dort mit einem zweiten Platz in der Mannschaftswertung zurück.
Dieses einmalige Ereignis nahmen die Schützen zum Anlass, Steffen Herdel einen
triumphalen Empfang am Schützenhaus mit Musik und ausgerollten roten Teppich zu
bereiten.

Die mitgebrachte Medaille wurde natürlich gebührend bewundert und man merkte
den berechtigten Stolz auf diese herausragende Leistung.

Bereits im Vorgriff auf das geplante 75-jährige Vereinsjubiläum zog man 1998
die seit langem geplante Saal-Renovierung durch. Die Schützenscheiben sind nun
nach Jahren angeordnet.

Bleibt am Ende nur, der Bürgerlichen Schützengesellschaft weiterhin die Ausdauer
und Kontinuität im Aufbau und Fortführung der Vereinsarbeit zu wünschen, wie
dies in den vergangenen 75 Jahren geschehen ist. Ohne den Einsatz und den
Ehrgeiz jedes einzelnen Mitgliedes besäße die BSG Bergrheinfeld wohl nicht das
Ansehen über die Grenze Bergrheinfelds hinaus.